Märkische Allgemeine, 31.07.10:
Spielwiese für Erwachsene



NEUSTADT - So müssen sich Kinder fühlen, wenn sie im Kaufhaus durch die Spielwarenabteilung streifen. Ein Gang durch Olafs Werkstatt ist ähnlich aufregend. Weil man nie weiß, was hinter der nächsten Ecke auftaucht, nur, dass es wahrscheinlich keine Werkstatt sein wird, aber auf jeden Fall etwas, das Spaß macht. In einem Moment steht man auf einer Bowlingbahn, im nächsten in einer Videothek, dann in einem Raum mit Spielautomaten, zwei Ecken weiter plötzlich an einer Bar, über der ein halber Trabi hängt, während aus der Küche Bratengerüche herüberwehen und Chris de Burgh aus einem Fernseher trällert

In Neustadt (Dosse) im Landkreis Ostprignitz-Ruppin, nicht weit vom brandenburgischen Haupt- und Landesgestüt, liegt dieser Gemischtwarenladen unter den Gaststätten, Olaf Krause ist der Besitzer. Seiner Familie gehört das 1862 erbaute Gebäude an der Robert-Koch-Straße 47 in dritter Generation. Sein Großvater hat hier schon Landmaschinen repariert. Sein Vater baute das Haus um zur Schlosserei, in der er Zäune und Tore herstellte. Als er 1974 starb, ging das Grundstück in staatliche Hand über. Nach dem Ende der DDR erhielt der Sohn das Gebäude verfallen zurück. Eine Bildergalerie in der Gaststätte erinnert heute an diese wechselvolle Geschichte. 1990 war Olaf Krause 24 Jahre alt und gelernter Tischler. Aber die Arbeit am Tresen reizte ihn mehr als die an der Hobelbank – wenngleich seine handwerklichen Kenntnisse nützlich sein sollten. Er renovierte das Haus, eines ergab das andere, und so entstand nach und nach eine Art Spielwarenabteilung für Erwachsene. Zur anfänglichen Videothek kamen bald Billardtisch und Bowlingbahnen, später noch die Kneipe und der Biergarten mit Leinwand. Ein großer Saal mit Bühne wird für Familienfeste, Hochzeitsfeiern, Klassentreffen, Konzerte, Comedy- und Kabarettabende genutzt. In der Gegend gäbe es nunmal nicht so viele Angebote, sagt Krause. Da habe es nahe gelegen, Verschiedenes unter einem Dach unterzubringen. „In der Gastronomie muss man immer am Ball bleiben“, sagt er. „Man muss sich immer etwas Neues einfallen lassen.“ Irgendwann hat er in seinen Räumen sogar Technoparties stattfinden lassen. Das war eben angesagt damals. Er scheint froh zu sein, dass der Trend abgeflaut ist. Das Herzstück der Werkstatt bildet der große urige Gastraum. Die Meisterbriefe von Vater und Großvater hängen an der Wand, daneben altes Originalwerkzeug. Den Trabi ließ Krause von einem Schulkameraden zersägen und aufpolieren. Mit einer Seilwinde bugsierten sie den vorderen Teil über die Bar. Der hintere Teil steht jetzt als Sitzbank im Raum nebenan. Die Tischplatten liegen auf gusseisernen Gestellen ausgedienter Singer- und Pfaff-Nähmaschinen, die ein Trödelhändler für Krause besorgt hat. Serviert wird vor allem deftiges, gutbürgerliches Essen, ein „Sattmacher-Angebot“ zu moderaten Preisen: von der Soljanka (1,90 Euro), über das Bauernfrühstück mit Gemüse und Salat (4,50 Euro) und das Schnitzel mit Pfefferrahmsauce, Gemüse, Salat und Beilage (8,80 Euro) bis zum Rinderhüftsteak mit Kräuterbutter, Gemüse, Salat und Beilage (11,90 Euro). Rund ein Dutzend Mitarbeiter beschäftigt Krause, oft steht er selbst am Tresen, um seine Gäste zu begrüßen. „Wir haben viele Stammkunden aus der Region“, sagt er. Aber es kämen auch mal Leute von weiter her. In seiner Werkstatt sei eben für jeden etwas dabei. Neue Angebote plant er nicht. Vorerst. Olafs Werkstatt, Robert-Koch-Straße 47, 16845 Neustadt (Dosse), 033970/14423. Täglich ab 12 Uhr geöffnet

 
     
 
Wochenspiegel, 17.06.08:
Märkische Allgemeine, 27.11.08:
TRADITION: Ein Schotte auf Spurensuche
Wo heute gefeiert wird, standen zu besten Zeiten 40 Männer in Lohn und Brot



NEUSTADT - Bei Olafs Werkstatt in Neustadt, Inhaber ist Olaf Krause, handelt es sich nicht um einen Reparaturbetrieb, sondern eine gastronomische Einrichtung. Zum Angebot gehören außer essen und trinken auch das Ausrichten von Familienfeiern, DVD-Ausleihe, Live-Konzerte, Kabarett und Bowling. Trotzdem ist der Name der Einrichtung kein Werbegag, sondern hat einen historischen Hintergrund. Das erkennt man unter anderem an der Rückseite des Grundstücks: Noch immer sind mehrere Sheddächer zu sehen, im Volksmund Sägedächer genannt, die früher typisch für Werkstätten und Fabriken waren. Im Innern steht eine mannshohe Bohrmaschine, hängen historische Fotos. Darauf ist zu erkennen, dass hier früher Landmaschinen gebaut und repariert wurden.

Eine Ausgabe der Dossezeitung von 1926 zeigt in etwa das Spektrum, mit dem sich seinerzeit „ C. Lüdecke & Co.“ befasste. Zu lesen ist: „Empfehlen zur Herbstbestellung – ab Lager lieferbar – Drillmaschinen Siedersleben mit unterschiedlicher Spurbreite, Kultivatoren, Pflüge, Ackerschleifen und Eggen, sow. sämtl. landw. Maschinen. Alle vorkommenden Reparaturen werden bei billigster Berechnung sachgemäß und schnellstens ausgeführt ...“

Repariert wurden zu anderen Jahreszeiten beispielsweise auch Mähbinder und Kartoffelroder. Unter der genannten Firmenbezeichnung findet sich der Hinweis: „Maschinenfabrik und Installationsbüro für Licht und Kraft“ und am Schluss der Annonce: „Ausführung elektr. Licht- und Kraftanlagen“.

Lüdecke, der 1863 die Werkstatt gründete, war gelernter Schmiedemeister und Maschinenbauer, hatte also mit Elektroenergie nichts am Hut, woraus man schlussfolgern kann, dass ein Fachmann dieser Branche mit im Betrieb war. Vermutlich war das schon damals jemand aus der Familie Tübbecke, der in der Dossezeitung desselben Jahres in seinem Geschäft Rundfunkgeräte anpries. Selbiger Familienname erscheint in der Chronik später als Nachfolger von Lüdecke. Der neue Inhaber war Elektroingenieur. Er durfte aber den Betrieb nicht allein leiten, da er kein Meister war. Teilhaber wurde Franz Krause, der 1925 seinen Meisterbrief in Görlitz gemacht hatte.

Doch vorher hatte sich in der Firma Lüdecke noch einiges getan. Bei ihr arbeitete zum Beispiel Armin Kelber, der einen Grauguss entwickelte, der sich speziell für die Herstellung von Kolbenringen eignete. Das ließ er sich patentieren. Daraus entwickelte sich das „Gusswerk C. Lüdecke“, dessen Inhaber aber Kelber war. Dadurch wuchs die Belegschaft der „Eisengießerei & und Maschinenfabrik, C. Lüdecke, Neustadt a. d. Dosse“ auf ca. 40 Arbeiter.

In „Olafs Werkstatt“ hängt ein Foto, auf dem man unter diesem Firmenschild die Beschäftigten und davor einige landwirtschaftliche Geräte sieht. Doch um 1925 machten Kelbers Abnehmer und dann er selber Pleite. Die Gießerei wurde aufgegeben und die Belegschaft auf 15 Mann reduziert. Der Unternehmer hatte sich vorher in einer Wohnsiedlung verewigt, die noch heute „Kelbersche Siedlung“ heißt. Auch von der verkleinerten Nachfolgefirma Tübbecke/Krause gibt es ein Foto. Links oben steht Franz Tübbecke und daneben Franz Krause senior. Der älteste Sohn von Franz Krause trug den gleichen Vornamen. Der Junior trat in Vaters Fußstapfen und machte vor 45 Jahren, also 1953, seinen Meisterbrief. 1964 übernahm er den Betrieb des Vaters.

In dieser Nachkriegszeit war die Arbeit kaum zu schaffen. Viele landwirtschaftliche Maschinen waren defekt. Manche wurden bei Krauses repariert, andere direkt vor Ort beim Bauern. Die Firma arbeitete eng mit Wagenbauer Wiese zusammen, weil z. B. Teile von Dreschmaschinen eine Kombination von Holz und Metall waren.

Auch Lehrlinge wurden ausgebildet, die zum Teil noch heute in Neustadt und Umgebung wohnen. Gerhard Steffenhagen erinnert sich, dass man auch für die Bahnmeisterei und für die MAS (Maschinenausleihstation), später MTS (Maschinen- und Traktorestation), arbeitete. Außer Reparaturarbeiten wurden auch neue Maschinen produziert, z. B. elektrisch angetriebene Rübenhäcksler und Kreissägen. Die Firma hatte das Glück, an eine moderne Fräs- und Drehbank gekommen zu sein. Die hatte eine Instandsetzungskompanie der ehemaligen Wehrmacht auf dem Gestütsgelände zurückgelassen. Zum Heizen der Werk-statträume mittels großer eiserner Öfen nutzte der Betrieb regionale Reserven: Die Firma Ladendorf aus Zernitz lieferte per Pferdefuhrwerk von Zeit zu Zeit ganze Wagen voller Sägespäne.

1974 starb „Fränzchen“ Krause, wie er noch heute von alten Neustädtern genannt wird. Seine Frau wurde dazu überredet, den Betrieb billig an die staatliche Gebäudewirtschaft abzugeben.

Sohn Olaf kaufte das ziemlich verfallene Anwesen nach der Wende zurück und machte daraus Schritt für Schritt die oben beschriebene gastliche „Werkstatt“. Vor wenigen Woche erschien dort ein Hobby-Ahnenforscher aus Schottland. Es handelte sich um einen Nachfahren des eingangs genannten Ingenieurs und ehemaligen Mitinhabers der Maschinenfabrik. Olaf Krause empfand das natürlich als „echten Hammer“.

Der Schotte im Rentenalter hatte ihm seine Visitenkarte dagelassen. Aufschrift: „J. Tubbecke (mit u statt ü), watch & clockmaker“ und seine Telefonnummer. (Von Wolfgang Benn)

 
     
 
Wochenspiegel, 14.8.02:
Eine Freizeit-Oase
" Olafs Werkstatt" mit Biergarten

Neustadt (gu). Urige Biergartenatmosphäre kann man seit Ende Juni in "Olafs Werkstatt" in der Robert-Koch-Straße 47 in Neustadt erleben. Auf dem ruhig gelegenen Hinterhof der ehemaligen Fabrik sind durch viel Eigeninitiative des Inhabers Olaf Krause 40 Sitzplätze entstanden, die bei schönem Wetter zum gemütlichen Plausch einladen.
Das charakteristische Zick-Zack-Dach, viel Holz und Backstein im Inneren lassen die Vergangenheit lebendig werden und erinnern an die frühere Nutzung des Gebäudes, das 1862 als Emaillewerkstatt errichtet wurde. Heute dient der Bau einzig und allein der Entspannung. Neben dem Biergarten finden sich im Inneren eine Bowlingbahn, eine Videothek, ein gemütliches Bierlokal und ein geräumiger Schmiedesaal, in dem Familienfeiern, Schulungen oder Life-Musik-Veranstaltungen durchgeführt werden. Am 31. August ist es mal wieder so weit: Olaf Krause lädt zur 60er- und 70er-Jahre-Rocknacht ein. Die nächsten Life-Bands sind auch schon gebucht - am 21. September kommt eine Rolling-Stones-Cover-Band nach Neustadt und am 2. Oktober ist ein Country-Abend mit den "Hometown Boys" geplant.
Neuerdings wird in "Olafs Werkstatt", die übrigens täglich ab 12 Uhr geöffnet hat, auch deftige Hausmannskost angeboten (in der Küche wird ab 18 Uhr gekocht).
An jedem Abend lockt das Lokal mit anderen Attraktionen. Dienstags kann man zum Beispiel kostenlos das Dartspiel nutzen, mittwochs ist Frauen-Bowling und donnerstags würfelt der Wirt mit seinen Gästen um die Rechnung. Bei Sportübertragungen stellt Olaf Krause auch schon mal eine Großbildleinwand auf. Für Trabbi-Fans hat sich der Kneipen-Chef etwas Besonderes einfallen lassen: Ein in der Mitte halbierter PKW Trabant dient mit seinemVorderteil als Deko über dem Tresen und mit dem Heck als lauschige Doppelbank.

 
     
 
Kyritzer Tageblatt, 9.7.02:
Bowlingturnier der Neustädter Gesamtschule
Förderverein mit guter Idee

Zum Abschluss des Schuljahres organisierte der Förderverein der Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe Neustadt nun schon zum zweiten Mal für die Klassen 7 bis 10 eine Schulmeisterschaft im Bowling. In Olafs Werkstatt kämpften jeweils fünf Mädchen und Jungen einer Klasse um die höchste Punktzahl in der Einzel- und Klassenwertung. Als beste Einzelspieler konnten sich bei den Mädchen Susanne Born aus der Klasse 10c und bei den Jungen Tobias Skaun aus der Klasse 9b durchsetzen. Die Schüler der Klassen 7 und 8 waren den Großen aber dicht auf den Fersen. In der Klassenwertung gewann die Klasse 10c vor den Klassen 10b und 10a. Für das nächste Schuljahr ist eine Neuauflage geplant.
Ein Dankeschön gilt auch Herrn Olaf Krause für die entgegenkommende und unkomplizierte Zusammenarbeit.
R. Klingbeil, Neustadt

 
     
 
Bowling in "Olafs Werkstatt"

Bowling kann man neuerdings in "Olafs Werkstatt" in der Neustädter Robert-Koch-StraSe 47 spielen. Mit dieser neuen Investition erweitert Inhaber Olaf Krause seine gastlichen Räume um eine neue Attraktion. Zwei Bahnen stehen vorerst zur Verfügung Die zur gemütlichen Szene-Kneipe ausgebaute ehemalige Schlosserwerkstatt des Großvaters von Olaf Krause bietet den Gästen weitere Angebote für die Freizeit. Begonnen hat es nach der Wende mit einem Videoverleih. Dazu kamen eine Spielothek mit Flipper, Billard, Geld- und Unterhaltungsautomaten. Sportübertragungen im Fernsehen können die Gäste auf einem Großbild verfolgen.
Ein besonderes Faible hatte Olaf Krause schon immer für die Live-Musik. Er lädt seit vier Jahren seine Gäste ein, um Blues, Country, Irish Folk zu erleben. Angesprochen sind hier besonders Leute der mittleren Jahrgänge. Das nächste Konzert findet am Abend des 26 Februar mit "Hot Nachos" aus Berlin statt, die einen Musik-Mix verschiedener Richtungen bieten.
Bowling kann von Montag bis Samstag ab 13 Uhr, sonntags ab 10 Uhr gespielt werden. Allerdings gibt es feine Unterschiede bei der Preisgestaltung. Montag ist "Bowlingtag", da kostet die Stunde bis 18 Uhr 15 Mark, von 18 bis 23 Uhr 20, ab 23 Uhr 25 Mark. Von Dienstag bis Donnerstag erhöht sich der Stundenpreis um 5 Mark, ab 23 Uhr um drei Mark. Freitag bis Samstag kostet es von 18 bis 23 Uhr 30 Mark, am Sonntag 28 Mark.
Am Mittwoch ist Frauenbowling. Jede Frau wird mit einem Glas Sekt begrüßt. Übrigens, wer Sehnsucht danach hat, wieder einmal in einem Trabbi Platz zu nehmen – in "Olafs Werkstatt" kann man das und dabei gemütlich ein Bierchen, Glas Wein oder anderes Getränk genießen.
rezu

 
   
 
MÄRKER, 23.10.99:
Blues belebt Dossestadt-Kultur

Musikfan ist Olaf Krause schon lange. Ein Instrument spielt er jedoch nicht. Für den Videothek- und Gastronomiebetreiber kein Grund, auf musikalisches Engagement zu verzichten. Seit drei Jahren veranstaltet er in "Olaf's Werkstatt" regelmägig Blues- und manchmal auch Countrykonzerte. Wenn die Barpreise auf eine ausgesprochene Volksnähe deuten, so ist die Einrichtung vom "Spillunken-Image" weit entfernt. "Angetrunkene Personen haben keinen Zutritt", kündet ein Schild am Einlass. "Die Leute sollen wegen der Musik kommen", begründet Krause seine Initiative für die Kultur in Neustadt. Ein finanzielles Standbein sei mit derartigen Veranstaltungen nicht zu schaffen. "Die Konzerte mache ich für mich und alle, die Freude an der Musik haben." Eine Szene müsse in der Dossestadt erst noch wachsen. Die 40 Sitzplätze in der ehemaligen Werkstatt bieten einen eher bescheidenen Rahmen. Aber einen, der genau zu der Atmosphäre von Blues passt. Der kleine, verwinkelte Saal mit den alten Fotas an den Wänden wirkt wie das Kellercafe aus einem amerikanischen Musikfilm. Das nächste Mal ist Livemusik in "Olafs Werkstatt" am 30. Oktober angesagt. Dann steht das Gitarrenduo Bernd Bangel und Thomas Wendel auf der Bühne, Geboten werden die Hits der 60-er und 70-er Jahre. Karten können zum Preis von 15 Mark unter (03 39 70) 1 44 23 vorbestellt werden. Zu gewinnen gibt es beim Märker zwei Mal freien Eintritt für zwei Personen. Wer am Montag unter (0 33 91) 45 53 44 um 11 Uhr anruft, kann diese vielleicht bekommen.
Gorm Witte




 
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
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